Relaunch: Nicht am Wettbewerber, sondern an den eigenen Kunden orientieren

In der Einleitung des Artikels zum Amazon Relaunch bzw. Redesigns habe ich bereits die Nachmachmentalität vieler Shopbetreiber angedeutet.

So findet man heute im deutschen eCommerce immer mehr Online-Shops, die von den großen (meist Amazon) entweder das ganze Design kopieren (Shopping.de ist da mein Lieblingsbeispiel) oder einzelne Elemente ungetestet übernehmen. Nach dem Motto: “Amazon hat das ja bestimmt schon getestet”, kann man sich ja die Arbeit sparen.

Ob man sich damit einen Gefallen tut, glaube ich nicht. Vielmehr verliert man die Bedürfnisse seiner eigenen Websitebesucher aus dem Auge.

Schauen wir zum Beispiel auf den Aspekt “Vertrauen aufbauen“.

Hier wird wohl fast jeder Shopbetreiber zustimmen und das als besonders wichtig bewerten. Aber wie wichtig ist das für Amazon? Gibt es dort Gütesiegel oder andere besonders Vertrauen aufbauende Elemente?

Amazon hat einen Bekanntheitsgrad, der es nicht mehr nötig macht besonders viel Wert auf “Vertauen” zu legen. Das Vertrauen der Besucher ist da! Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Shops, die bei weitem nicht so einen Bekanntheitsgrad wie Amazon haben. Wenn nun solche Shops beginnen das Amazon Design zu kopieren, unterschlagen Sie diesen Aspekt völlig. Und das gilt nicht nur für die kleinen Shops – auch große Onliner, die besonders viel in Suchmaschinenwerbung investieren, müssen hier aufpassen.

Wie geht es besser?

Sicher gibt es viele Möglichkeiten, wie man sich beim Redesign mehr auf die eigenen Kunden fokussieren kann. Ich persönlich, denke bei solchen Aufgaben gerne an Personamodelle. Eine Herleitung passender Personas könnte dann wie folgt aussehen.

1. Schritt: An die Zukunft denken!
Wie entwickelt sich das Kaufverhalten meiner Zielgruppe?

Meine Annahme der relevanten Megatrends:

  • Käufe von Privatkunden werden von unterwegs bzw. von der “Couch” per Smartphone oder Tablet getätigt.
  • Empfehlungen von Freunden bekommen immer mehr Einfluss auf das Kaufverhalten. Dies betrifft sowohl die Wahl des Anbieters, als auch die des Produktes selbst.
  • Onlinebestellungen gehen den Shoppern immer leichter “von der Hand”. Die Prozesse gelten als gelernt. Die Norm setzen dabei die größten Anbieter selbst. Klare Strukturen und einfache Prozesse signalisieren Professionalität.
  • Klassische Preisvergleiche wie billiger.de oder guenstiger.de werden weniger für den Privatuser relevant. Suchmaschinen (v.a. Google) nehmen auch beim Preisvergleich eine immer wichtigere Stellung beim Anwender ein.

2. Schritt: Aus den Trends mögliche Personas ableiten!

Persona A: Der Zielgerichtete…
…möchte schnell und effektiv auf dem geraden Weg den Kauf abschließen. Er empfindet jede Hürde bei der Bestellung als Grund für einen Bestellabbruch. Schon die Frage nach dem Geburtsdatum stellt eine Zeitverschwendung dar. Der Zielgerichtete möchte mit einem Klick sofort seine Bestellung abschließen. Anstelle eines Newsletters nutzt der erfahrene Onlinekäufer auch gerne RSS Feeds, die ihm auf einen Blick alle Angebote (auch der letzten Wochen) zeigen. Er ist ein treuer Kunde, bei dem der Preis nicht die höchste Priorität hat. Neben einem klar strukturierten Angebot und eindeutigen Aussagen (nicht “lieferbar” sondern “sofort lieferbar”) erwartet er auch eine Lieferung seiner Bestellung zum nächsten oder max. übernächsten Tag. Über den Status seiner Bestellung möchte der Zielgerichtete per Mail informiert werden. Anstelle von Facebook ist Twitter die bevorzugte soziale Plattform um sich mitzuteilen. Merklisten (einfach in der Usability) und persistente Warenkörbe stellen einen großen Mehrwert dar.

Bevorzugte Zahlung:
Kreditkarte (Daten hinterlegt)

Bindung an den Shop:
Er bestimmt den Grad der Interaktion mit dem Unternehmen. Auch die Zusendung von Printwerbung steuert er selbst.

Mediennutzung:
Tablet PC und PC. Smartphones nur, wenn es einen eigenen Mobilshop gibt.

Bestellzeit:
Während des Tages, wenn möglich auch zur Arbeitszeit.

Persona B: Der Vernetzte…
…spricht gerne über seine Einkaufserlebnisse. Er ist ein starker Multiplikator und kann viele Neukunden vermitteln. Für ihn stehen Preis und Markenimage (des Anbieters und der Produkte) an erster Stelle. Soziale Netzwerke wie Facebook nutzt er überdurchschnittlich. Für Newsletter ist er empfänglich – ebenso wie für Printwerbung. Die Frequenz der Newsletter legt er gerne selbst fest (bis zu 1x täglich). Immer auf der Suche nach Schnäppchenangeboten ist er auch viel in Preisvergleichen unterwegs und besucht seine bevorzugten Shops auch ohne konkrete Kaufabsicht. Da er sehr visuell geprägt ist, muss sich im Shop immer etwas Neues zeigen. Ständig die gleichen Banner langweilen ihn – er braucht das Gefühl, dass es im Shop und den Social Network Seiten des Unternehmens immer was zu entdecken gibt.

Bevorzugte Zahlung:
Paypal, Kreditkarte

Bindung an den Shop:
Gewinnspiele, Bewertungen, Incentives (Live Shopping), soziale Interaktion auf Facebook oder im Firmenblog

Mediennutzung:
Tablet PC und PC.

Bestellzeit:
Verteilt über den Tag mit der Tendenz zu den Abendstunden. Der Vernetzte zelebriert den Einkauf ausserhalb der Arbeitszeit. Der “Akt des Einkaufs” stellt etwas besonderes dar. Die transaktionsbezogenen Nachrichten sind besonders wichtig.

Persona C: Der Unsichere…
…fühlt sich bei neuen oder unbekannten Anbieten nicht so recht wohl und greift gerne auf Amazon, Otto, Zalando & Co. zurück. Die Sicherheit seiner Transaktion und seiner persönlichen Daten steht für Ihn an erster Stelle. In der Informationsphase nutzt er durchaus Suchmaschinen, geht aber auch direkt auf Seiten, die viele Nutzerbewertungen zu seinem gesuchten Artikel haben. Auch hier vertraut er auf Anbieter wie Amazon. Newsletter und andere Werbeangebote akzeptiert der Kunde erst, wenn er Vetrauen gefasst hat. er möchte jederzeit den Status seiner Bestellung (so genau wie möglich) kennen und einsehen können. Neben telefonischer Erreichbarkeit des Anbieters sind ihm auch kurze Antwortzeiten auf E-Mails wichtig. Neben dem Aspekt der Datensicherheit ist auch eine Auswahl an alternativen Produkten wichtig (Sortimentsbreite). Um zum Abschluß zu kommen, benötigt er oft eine klare Vorteilsargumentation (Call to Action oder entsprechende Produktbeschreibung). Die Modalitäten der Rückgabe spielen eine große Rolle. Der Unsichere retouniert im Durchschnitt häufiger seine Ware. Der Unsichere ist auch der stärkste Channelhopper zwischen lokalen und online Anbieten.

Bevorzugte Zahlung:
Überweisung und Nachnahme

Bindung an den Shop:
Klare Vorteils- und Sicherheitsargumentationen.

Mediennutzung:
PC

Bestellzeit:
Ausserhalb der Arbeitszeit, bevorzugt Wochenende (Sonntag).

3. Schritt: Die Bedürfnisse der Personas in das Design überführen

Die drei Personas aus dem zweiten Schritt haben klare Bedürfnisse und formulieren eigentlich schon in weiten Teilen ein Briefing für einen guten Shopdesigner. Mit dem Fortschreiten des Layouts muß immer wieder geprüft werden, ob das Design noch zu den Bedürfnissen der Personas passt.

Mit diesen 3 Schritten entwickeln Shopbetreiber schnell und relativ einfach ein individuelles Design, welches sich nicht am Wettbewerber, sondern am eigenen Kunden, orientiert. Zu beachten ist noch, dass Personas auf Annahmen beruhen. Das Thema A/B Testing darf nie vergessen werden. Wer sich hierfür interessiert, findet im Blog von Gabriel Beck (Conversion Doktor) professionellen Input.

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Es ist wieder so weit – es ist Lebkuchenzeit. Und natürlich müssen es auch die original Nürnberger Lebkuchen sein. Da bietet es sich an, im neuen Online-Shop bei Lebkuchen Schmidt vorbei zuschauen.

Dort findet man nicht nur leckere Lebkuchen (die man auch als Geschenk an Firmen verschicken lassen kann), sondern auch einen richtig gut gelungen neuen Online-Shop.

Lebkuchen Schmidt - Lebkuchen Online kaufen
Publiziert am von Thorsten Eder | Hinterlasse einen Kommentar

Relaunch: neues Amazon Design im Vergleich

Im Augenblick testet Amazon auf seiner US Seite ein neues Design. Da der Marktführer im eCommerce mit seinem Layout immer wieder nachgemacht wird und damit Trends setzt, lohnt es sich einen Blick auf die Neuerungen zu werfen.

Ansicht des alten Layouts (von Amazon.de)
Altes Amazon Layout (wie aktuell auf amazon.de)

“Less is more” ist Programm bei den Layouttests…

Ansicht des neuen Layouts (von Amazon.com)
Neues Amazon Layout (wie gerade auf Amazon.com im Test)

Vergleich Header neu zu Header alt
Vergleich der beiden Header im Amazon Layout

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass der neue Kopfbereich deutlich aufgeräumter ist. Der Besucher kann die Navigationselemente Suchfeld und Kategorien (Shop by Department) sehr gut erkennen und direkt in den Shop einsteigen.

Auf den tatsächlich nicht mehr zeitgemäßen Begrüßungssatz “Hallo! Melden Sie sich an, um persönliche Empfehlungen zu erhalten. Neukunde? Bitte hier starten.” wird glücklicherweise verzichtet.

Auffallend ist auch der Textlink zu den Gift Cards. Auf den möchte Amazon anscheinend auch im neuen Layout nicht verzichten. Was die Relevanz einer gut aufgesetzten Gift-Card-Strategie unterstreichen dürfte.

Der Bereich Konto und Warenkorb

Im Vergleich der Bereich Warenkorb
Besonders an dieser Stelle wirkt das neue Layout deutlich erwachsener, als das aktuelle auf Amazon.de. Dem Besucher wird strukturiert gezeigt, wo er Feedback bekommt und wo er interagieren kann.

Komplett überarbeitet - der Login
Wenn der Header insgesamt klarer im Bezug auf die Informationsarchitektur sein soll, müssen zwangsläufig Inhalte weichen. Amazon startet jedoch immer mehr Services und möchte diese prominent bewerben. Im neuen Layout wird das über den Loginbutton gelöst, der neben dem klassischen Login noch rein “zufällig” zeigt, was der Besucher noch alles an Services von Amazon kaufen kann.

Um den Post nicht zu lang werden zu lassen, werde ich in den nächsten Tagen die anderen Bereiche der Seite in einem zweiten Artikel vergleichen.

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Conversion Rate verstehen

Die richtige Bewertung der CR bzw. deren Relevanz als Key Performance Inidicator (KPI – oder auf deutsch “Leistungskennzahl”):

Was sagt die CR über die Qualität und die Performance eines Online-Shops aus? Nicht viel! Außer sie wird zerschnippselt (im Jargon “segmentiert”)!

Die CR ist von zwei Faktoren abhängig: Vom Traffic (Besucher) und der entsprechenden Zielerfüllung (Im Shop, die Anzahl der Bestellungen).

Berechnet wird die CR indem man die Bestellungen (Käufer) durch die Besucher teilt.

Und beim Traffic – den Besuchern also – da liegt der Hase im Pfeffer! Die sind doch in jedem Shop anders. Die Besucher sind von unterschiedlicher Qualität, kommen aus unterschiedlichen Gründen und werden über unterschiedliche aßnahmen angelockt! Die lassen sich nie mit anderen Shops vergleichen. Wie kann man also einfach die CR mit anderen Shops vergleichen? Oder noch besser – die CR als relevante KPI definieren?

Noch ein Beispiel dazu: Shop A und B haben das gleiche Sortiment, die gleichen Preise und das gleiche Shopdesign.

Shop A betreibt überhaupt keine Werbung und bekommt seine Besucher nur über Mundpropaganda (Empfehlungen). Die Kunden geben in der Regel die URL direkt ein und wissen schon ganz genau, was sie kaufen möchten. Wie ist die CR? Richtig 10% + X.

Jetzt nehmen wir Shop B. Der schaltet fleißig SEA Anzeigen und betreibt zusätzlich noch ein Affiliateprogramm. Shop B hat demnach ein vielfaches der Besucher von Shop A – verkauft aber – weil die Werbung viel breiter streut nicht wesentlich mehr als Shop A. Die CR liegt dann halt bei 1,5%.

Lässt sich also damit die Shopqualität beurteilen? NEIN.
Bestenfalls kann Shop B sich überlegen, ob die paar Bestellungen mehr die Werbung wert sind. Aber an seinem Produktangebot oder seinem Shopsystem muss er nichts machen.

Wenn schon CR als KPI dann nur, wenn man die Conversion Rate segmentiert nach Trafficquellen betrachte. Nach SEA, SEO, Affiliate und so weiter.

Als übergreifende KPI taugt die CR kaum. Sie würde sich viel zu einfach beinflussen lassen. Alleine durch einen “überhitzten Affiliate” wird die CR schon zerlegt. Wenn dieser 80.000 Besucher am Tag ohne eine einzige Order rüberschickt – dann zerstört das jede CR.
Kosten tut’s aber auch nix (ausser der Server geht in die Knie). Der Shop hat dann eine niedrigere CR – trotzdem aber die gleiche Performance ;) . Klar oder?

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Modernes Online Marketing: Customer Journey

Non-lineare Kaufprozesse

Die Customer Journey beschreibt das Verhalten eines potentiellen Kunden vom ersten Schritt des Kaufprozesses (Bedarfserkennung) bis hin zum Abschluss (Bedarfsbefriedigung). Während dieser Reise kommt der Kunde mit verschiedenen Werbe- und Vertriebskanälen eines oder mehrerer Anbieter in Kontakt. Einen Großteil dieses Weges zu kennen bedeutet die eigenen Marketingmaßnahmen richtig einsetzen und auch bewerten (Conversion Attribution) zu können.

Da jede Customer Journey anders verlaufen kann, ist der erste Schritt um den Weg der Kunden zu verstehen, die eigenen Werbe- und Vertriebskanäle und deren Wechselwirkung zu erkennen, zu analysieren und bewertbar zu machen.

 

Die exemplarische Darstellung von Werbekanälen und Vertriebskanälen zeigt die Problematik in der wirtschaftlichen Betrachtung einzelner Werbekanäle auf. So kann ein Vertriebskanal auch gleichzeitig Werbekanal für einen anderen Vertriebskanal sein (hier am Beispiel Multichannel-Vertrieb).

RoPo-Effekte bei Multichannel Händlern

Wird zum Beispiel der Online-Shop von Kunden als Informationsquelle (=Werbekanal) verwendet um dann in der Filiale (=Vertriebskanal) zu kaufen, tritt der klassische RoPo-Effekt (Research Online / Purchase Offline) ein und die Kanäle haben die Seiten getauscht. In der Werbeerfolgskontrolle gibt es in der Regel dafür jedoch keine Berücksichtigung, was zu falschen strategischen Entscheidungen führen kann.

Budget und Conversion Attribution

Die Messbarkeit zwischen Online-/Offline-Kanälen und deren Bewertung ist eine der größten Herausforderungen im Cross-Channel-Marketing. Eine Stufe einfacher – jedoch in der Praxis immer noch sehr kompliziert – wird es, wenn nur die Online Kanäle untersucht werden.

Die Ausgangssituation stellt sich wie folgt dar:

Im folgenden Schaubild wird exemplarisch die Customer Journey eines Kunden aufgezeigt.

 

Die ersten Kontakte hatte der Kunde mit SEA und SEO Maßnahmen. Dann kam der Kunde Direct auf die Website (direkt über die Web URL). Der Kauf wurde letztlich über ein Affiliate Werbebanner abgeschlossen.

In der klassischen Werbeerfolgskontrolle wurden dem Affiliate nun 100% des Werbeerfolgs zugeschrieben. SEA und SEO wurden nicht beachtet. Ohne diese beiden Werbekanäle wäre der Kauf wohl nicht zustande gekommen. Damit basiert die Conversion Attribution und letztlich auf deren Basis auch die Budget Attribution (über die jährliche Werbekostenplanung) auf unvollständigen Annahmen.

Customer Journey verstehen

Diese Customer Journey aus SEA, SEO, Direct und Affiliate ist jedoch nur ein Beispiel aus nahezu unendlichen (weil auch beliebig langen) Customer Journeys.

Um bis zu einer bewussten strategischen Steuerung auf Basis reeller Customer Journeys kommen zu können, müssen diverse Aufgaben erfüllt werden:

  • Wechselwirkung zwischen Werbekanälen und Vertriebskanälen erkennen
  • Messung der einzelnen Touchpoints
  • Aggregation der Touchpoints zu Conversion Pfaden
  • Interpretation der Daten
  • Verteilung des Werbeerfolgs und der Budgets auf Basis von Opener-, Assist- und Closer-Beteiligungen

Die Informationen aus den Customer Journeys können in Marketingabteilungen zu völlig neuen Sichtweisen und Beurteilungen ihrer bisherigen Maßnahmen führen.

Fazit:

Marketingbudgets sollten deshalb innerhalb eines Bereiches dynamisch eingesetzt werden können. Der Shift von einer Maßnahme zu einer anderen sollte auf Basis der Customer Journey Interpretation möglich sein.

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