Effizienz ist antrainiert und Kreativität grenzt Effizienz weitestgehend aus! Wohingegen Effektivität gelernt werden muss und Kreative oft extrem effektiv sind.
Soweit meine These die es jetzt zu beweisen gilt. Dazu müssen zuerst die drei Begriffe Effizienz, Effektivität und Kreativität definiert werden.
Vor allem Effizienz und Effektivität hängen direkt zusammen. Im betriebswirtschaftlichen Zusammenhang ist Effektivität mit Wirksamkeit und Effizienz mit Leistungsfähigkeit zu verstehen[1]. Mit Wirksamkeit ist also die Forderung verbunden „die richtigen Dinge zu tun“ wohingegen Leistungsfähigkeit beschreibt, wie „die Dinge richtig zu tun“ sind. Ob jemand also effektiv (wirksam) handelt oder effizient (leistungsfähig) ist ein wesentlicher Unterschied.
Das folgende Beispiel zeigt, wie schmal der Grat zwischen beiden Handlungen ist.
Nehmen wir an Ihr 15 Jahre alter PKW ist nicht mehr durch den TÜV gekommen und muss verschrottet werden. Bevor es auf den Schrottplatz geht, reinigen Sie das Auto innen, außen und saugen auch im Innenraum noch das letzte Staubkorn heraus.
Sie waren sehr gründlich und damit extrem effizient – sie haben ja schließlich Erfahrung und wissen genau wie man ein Auto richtig reinigt. Wären Sie effektiv vorgegangen, hätten Sie auf die zweistündige Reinigung verzichtet und sich stattdessen schon nach einem neuen Auto umgesehen. Sie hätten also „das Richtige getan“.
Übertragen auf den beruflichen Alltag bedeutet dies, sich immer bewusst zu sein, welche Tätigkeit jetzt getan werden muss bzw. ob es eine effektivere Vorgehensweise gibt, die wertschöpfender ist. Als Führungskraft würden Sie demnach vor allem „effiziente“ Tätigkeiten delegieren und sich selbst um die effektiveren Aufgaben kümmern. Gerade die Fähigkeit zwischen „selbst machen“ und „Aufgaben übertragen“ unterscheiden zu können, zeichnet gute Führungskräfte aus.
Nachdem nun die Bedeutung und Korrelation von Effizienz und Effektivität dargestellt wurde, gilt es die dritte Konstante in meiner Behauptung die Kreativität zu beleuchten.
Wie definiere ich nun Kreativität? Dazu gibt es bei Wikipedia[2] eine Fülle von Informationen. Relevant für diesen Beitrag ist besonders die Aussage, dass zur Definition von Kreativität die folgenden drei Faktoren eine entscheidende Rolle spielen:
- die individuellen Möglichkeiten einer einzelnen Person
- die Möglichkeiten der Kreativität und deren Entstehung im sozialen Kontext und deren mögliche Bewertungen
- die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gesellschaftsformen und deren Bewertungsformen der Kreativität im Einzelnen
Im Kontext dieses Textes schließen wir daraus, dass prägende Einflüsse die Möglichkeit überdurchschnittlich kreativ zu sein beeinflussen.
Berufliche Kreativität ist für nahezu alle Unternehmen eine unverzichtbare Ressource. Ein gutes Beispiel ist hier der Erfolg des Getränks Bionade[3]. Tatsächlich ist Bionade ein Produkt erfolgreichen Marketings und damit das Resultat kreativer Prozesse.
Die Definition kann mit der elften These der Gesellschaft für Kreativität[4] abgeschlossen werden: „Kreativität ist die Quelle aller Innovationen“.
Effizienz, Effektivität und Kreativität sind jetzt definiert. Somit können wir uns nun den ersten Satz meiner These näher betrachten: „Effizienz ist antrainiert und Kreativität grenzt Effizienz weitestgehend aus!“
Menschen lernen Effizienz indem sie geführt werden. Durch klare Vorgaben werden Menschen im Berufsleben auf Effizienz getrimmt. Ein perfektes Beispiel hierfür sind berufliche Zielvorgaben wie Umsatzziele. Allein dieses Ziel schränkt die freie Entfaltung von Mitarbeitern völlig ein. Ein kreativer Prozess, der Innovationen entstehen lässt ist hier aufgrund des immensen Erfolgsdrucks praktisch nicht mehr möglich. Mit Fortschreiten des Berufslebens werden so „Effizienzmenschen“ geschaffen. Was an dieser Stelle nicht negativ zu verstehen ist. In jeder Gesellschaft muss es eine ausführende Ebene geben. Besonders gut können das unsere Effizienzmenschen.
„Wohingegen Effektivität gelernt werden muss und Kreative oft extrem effektiv sind.“
Der zweite Teil der These wird deutlich, wenn wir Effektivität mit Führung und der Fähigkeit Aufgaben zu delegieren in Zusammenhang bringen. Im beruflichen Alltag gibt es immer wieder besondere Herausforderungen, die unter großem Druck gelöst werden müssen. Hier muss eine effektiv handelnde Führungskraft die richtigen Dinge tun. Das ist eine Fähigkeit, die man im Laufe seiner Ausbildung und seines Berufslebens erlernen muss, denn die meisten Menschen starten in Ihrem Berufsleben als Befehlsempfänger und nicht als Führungskraft. Irgendetwas muss diesen „Effizienzmenschen“ nun aus seiner Effizienzlaufbahn herausholen.
Diese Etwas ist die Kreativität. Für kreativ geprägte Menschen ist es der „Kompetenzbaustein“, der sie auf die Effektivitätslaufbahn und damit auch in eine Führungsposition bringt. Einfallsreichtum zusammen mit effektivem Handeln sind die Kernkompetenzen, die eine Führungskraft braucht, um erfolgreich und wertschöpfend tätig sein zu können.
Effizienz ist antrainiert und Kreativität grenzt Effizienz weitestgehend aus! Wohingegen Effektivität gelernt werden muss und Kreative oft extrem effektiv sind.
Die These lässt sich nun auch wie folgt beschreiben:
Menschen die vorgegebene Aufgaben erledigen und dies mit hoher Kompetenz durchführen, haben einen klaren Weg vor sich, den sie beschreiten müssen. Je besser sie Ihre Aufgabe erfüllen, desto schneller kommen sie ans Ziel. Das Ziel wird dabei jedoch nicht in Frage gestellt, man tut alles dafür, dieses Ziel so gut wie irgend möglich zu erreichen. Innovationen entstehen in diesem Prozess äußerst selten, allenfalls als Zufallsprodukt. Ideen und Innovationen sind ein Ergebnis kreativen Denkens. Kreatives Denken wiederum setzt ein Hinterfragen bestehender Prozesse voraus.
[1] Verständnis von Effektivität und Effizienz nach Peter Ferdinand Drucker „The Effective Executive“, 1967
[2] Definition von Kreativität bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kreativität
[3] Mehr zur Geschichte der Bionade: http://de.wikipedia.org/wiki/Bionade
[4] Thesenbuch der Gesellschaft für Kreativität: http://www.kreativ-sein.de/v/12thesenbuch/doc/doc11.html

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